Investitionen 2009: Kleinere Projekte, anspruchsvolle Technologien
3.2.2010 | CzechInvest | Forschung und Entwicklung und strategische Dienstleistungen – Bereiche in die in der Tschechischen Republik am meisten investiert wird. Die Produktion, der Favorit der vergangenen Jahre zog dagegen im letzten jahr nicht.
- Nahezu jedes zweite Projekt, das im vergangenen Jahr von der Agentur CzechInvest akquiriert wurde, befasst sich mit Forschung und Entwicklung.
- Drei von zehn neuen Investitionen gingen in die Softwareentwicklung.
- Unter Beteiligung der Agentur CzechInvest entstehen 186 neue Investitionsvorhaben mit einem Volumen von 17 Mrd. CZK.
- Die Investoren meldeten nahezu 6.000 neue Arbeitsplätze.
- CzechInvest verhalf im letzten Jahr tschechischen Unternehmen, Aufträge im Wert von drei viertel Milliarden CZK zu akquirieren.
In der Tschechischen Republik wird am meisten in die Forschung und Entwicklung oder in strategische Dienstleistungen investiert. Im Gegensatz dazu betraf die Produktion, die in der Vergangenheit den Investitionszufluss dominierte, im vergangenen Jahr nur jeden fünften neuen Investoren. Dies zeigten die aktuellen Statistiken der Agentur CzechInvest. Unter ihrer Beteiligung entstehen in Tschechien insgesamt 186 neue Investitionsvorhaben; 84 davon befassen sich mit der Forschung und Entwicklung, 67 mit strategischen Dienstleistungen und 35 mit der Produktion. Das Volumen der neuen Investitionen erreicht 17 Mrd. CZK. Eine neue Beschäftigung finden durch sie nahezu 6.000 Menschen.
„Die Statistiken belegen, dass die Investoren die Tschechische Republik für immer anspruchsvollere Investitionen auswählen“, betonte Alexandra Rudyšarová, die mit der Leitung der Agentur CzechInvest beauftragte Generaldirektorin. „Dies wird auch durch die Tatsache belegt, dass die Mehrzahl der neuen Investitionsvorhaben des vergangenen Jahres – nahezu drei von zehn – von Softwareentwicklern getätigt wurden, ein Bereich mit überdurchschnittlichen Gehältern und überdurchschnittlichen Qualifikationsanforderungen“. Der zweitbeliebteste Bereich war laut Statistik der Maschinenbau mit 32 Projekten, gefolgt von der Elektronik und Elektrotechnik, auf die 20% der Investitionen entfielen.
Im vergangenen Jahr kehrte zum Beispiel die Entwicklung des militärischen Simulators Virtual Battlespace, der von der NATO und der US-Armee zu Übungszwecken eingesetzt wird, in die Tschechische Republik zurück. In ihrem neuen Entwicklungszentrum in Prag-Dejvice integriert die tschechische Gesellschaft Bohemia Interactive seit dem letzten Jahr in diesen Simulator zum Beispiel ein realistisches Modul zur Abwehr von improvisierten Explosionseinrichtungen. Expansionspläne verkündeten letztes Jahr auch die Gesellschaft Vigour Gama oder die Gesellschaft Red Hat in Brünn.
„Den Investoren in Forschung und Entwicklung oder in strategische Dienstleistungen, wie z.B. die Softwareentwicklung, kann die Tschechische Republik die Unterstützung aus Mitteln der Europäischen Union anbieten, konkret aus dem Förderprogramm für Wirtschaft und Innovation, der von CzechInvest betreut wird. Gerade dies ist ein starker Anreiz insbesondere auch dann, wenn es der Weltwirtschaft nicht ganz so gut geht“, erläutert der Makroökonom Tomáš Sedláček.
Finanzmittel der Europäischen Union unterstützen z.B. letztes Jahr das Softwareunternehmen Asseco bei der Erweiterung ihres Zentrums im Bezirk Hradec Králové. Ein Beispiel für ein kleineres Projekt stellt das Softwareunternehmen Hrdlička spol. s r. o. in Česká Lípa dar. In die Softwareentwicklung investierte im letzten Jahr aber auch das deutsche Unternehmen Siemens, das die Anzahl seiner Entwickler in Zlín um 15 Spezialisten erhöhte. Eine hochinteressante Investition des Jahres 2009 war die Aufnahme der Produktion der Gesellschaft Olympus in ihrem Betrieb in Přerov, wo der japanische Konzern medizinische Endoskope entwickelt und herstellt. Der hochmoderne, umweltschonende Bau, mit einer ebenso modernen Einrichtung, kostete den Investor 150 Mio. CZK und er bietet in der Region nahezu 150 hoch qualifizierte Arbeitsplätze an.
„Olympus in Přerov ist ein hervorragendes Beispiel für einen Investor, den wir für die Tschechische Republik zunächst für ein relativ einfaches Projekt gewinnen konnten, die Erfolge seiner tschechischen Zweigstelle brachten ihn jedoch rasch dazu, auch in viel anspruchsvollere Bereiche zu investieren“ fügt Alexandra Rudyšarová hinzu. „Gerade der Anteil von Expansionen bereits bestehender Unternehmen in Bereiche mit einer hohen Wertschöpfung wird in unseren Statistiken immer höher“. Olympus ist in Přerov seit dem Jahre 2002 tätig und begann hier in gemieteten Räumen Fotoapparate zu reparieren. Heute erreicht das Gesamtinvestitionsvolumen der Gesellschaft eine halbe Milliarde/Mrd. CZK.
Im Gegensatz zu steigenden Investitionen in die Softwareentwicklung sank vergangenes Jahr die Anzahl neuer Vorhaben in der Fahrzeugproduktion, insbesondere in der Automobilindustrie. Im Jahre 2007 waren es noch 26, letztes Jahr nur 8. Andererseits befassen sich gleich fünf davon mit der Forschung und Entwicklung. Ein Beispiel für eine solche Investition ist die Erweiterung des Entwicklungszentrums des japanischen Konzerns Denso in Liberec. Das Unternehmen baut – und entwickelt Klimaanlagen für Kraftfahrzeuge und verstärkte sein Team um nahezu 10 Mitarbeiter.
In die Automobilindustrie floss jedoch eine der höchsten Investitionen des vergangenen Jahres und zwar in die Ausweitung der Produktion von konzerneigenen Getrieben im Werk Škoda Auto in Mladá Boleslav. Der Automobilhersteller investiert mehr als 1,5 Milliarden CZK und schafft bis zu 270 neue Arbeitsplätze. Im Oktober 2009 nahm auch der Automobilhersteller Hyundai nach jahrelangen Vorbereitungen die Produktion in Nošovice auf.
Die meisten neuen Investitionsvorhaben, genau 38 entstehen im Bezirk Mittelböhmen. Den zweiten Platz nimmt mit 32 Vorhaben Südmähren ein, der dritte Platz gehört dem Mährisch-Schlesischen Bezirk, in den 24 neue Investitionen flossen. In der Anzahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze überwiegt klar der Südmährische Bezirk mit 2.558 Arbeitsplätzen. Für Mittelböhmen meldeten die Investoren die Entstehung von 976 neuen Arbeitsplätzen, in Nordböhmen entstanden 607 neue Arbeitsplätze.
Das höchste Investitionsvolumen floss mit Unterstützung der Agentur CzechInvest in Expansionsvorhaben tschechischer Unternehmen, an zweiter Stelle waren Unternehmen aus Deutschland und an der dritten Stelle Unternehmen aus Österreich.
Die Agentur für Wirtschafts- und Investitionsförderung CzechInvest wurde im Jahre 1992 gegründet, das erste Investitionsvorhaben für die Tschechische Republik vermittelte sie ein Jahr später. Seit dieser Zeit beteiligte sie sich an 1.356 Investitionsvorhaben im Wert von 665 Mrd. CZK. In Vorhaben, die direkt durch die Agentur CzechInvest vermittelt wurden, fanden schrittweise 206.338 Menschen eine Beschäftigung. Weitere Tausende Arbeitsplätze entstehen in den anknüpfenden Investitionen.
Aufträge für eine dreiviertel Milliarde
Die Agentur CzechInvest half im Laufe des letzten Jahres tschechischen Unternehmen Aufträge von Auslandskunden im Wert von 744,59 Mio. CZK zu vermitteln. Durch 7 Verträge konnten 36 neue Arbeitsplätze geschaffen und Hunderte weitere erhalten werden. Die Aufträge betrafen den Maschinen- und Flugzeugbau oder die Herstellung von Komponenten für Unterhaltungselektronik.
Einen der größten Aufträge konnte das Unternehmen Agrostroj in Pelhřimov gewinnen, das dank der Agentur CzechInvest die Herstellung des professionellen japanischen Rasenmähers der Marke Chikusui Canycom aufnahm. Es ist geplant, von diesen Kleintraktoren, mit einem Einzelhandelspreis von einer viertel Mio CZK, schrittweise bis zu 1000 Stück pro Jahr zu bauen.
Jahresvergleich: 2008 und 2009
Im Jahre 2008 kamen auf der Landkarte der Tschechischen Republik mit Unterstützung der Agentur CzechInvest insgesamt 208 Investitionsvorhaben im Gesamtwert von 27 Mrd. CZK hinzu. Die Anzahl neuer Vorhaben sank somit im Vergleich mit dem Jahr 2008 um ein Zehntel, ihr Volumen sank um 10 Mrd CZK.
„Die Anzahl der Projekte, die es letztes Jahr gelang, erfolgreich zu Ende zu führen, hat uns dann doch in Anbetracht der Weltwirtschaftslage überrascht“ – gibt Alexandra Rudyšarová zu und führt weiter an: „Was die Investitionshöhe anbetrifft – die sinkt bereits längerfristig und die Verlangsamung der globalen Wirtschaft ist nur eine der Ursachen. Eine weitere Ursache ist eben der langfristige Trend, dass ein ständig wachsender Anteil der Vorhaben die Bereiche Forschung und Entwicklung oder Dienstleistungen betreffen, die im Vergleich zur Produktion viel geringere Anfangsinvestitionen erfordern. Die dritte Ursache ist die, dass die Investoren in der Tschechischen Republik aus einem immer breiteren Angebot an Mieträumen in Industrieparks auswählen können, anstatt eigene Gebäude zu bauen, was wiederum den Bedarf an Anfangsinvestitionen sinken lässt“.
Abklingende Krise
Der größte Einbruch des Interesses neuer Investoren begann laut Statistik der Agentur CzechInvest genau in der Mitte des letzten Jahres. „Wenn Sie in irgendetwas investieren, setzen Sie hauptsächlich auf die künftige Nachfrage. Diese konnte eine Reihe von Investoren nicht erkennen. Dies bedeutete gleichzeitig, dass sich die Unternehmen entschlossen, auch ihre bestehenden Kapazitäten zu begrenzen, weil sie bereits diese mit Erwartung neuer Aufträge aufgebaut haben, die jedoch nicht unbedingt eintrafen. Das Ergebnis konnte nur eins sein – eine höhere Arbeitslosigkeit“, erläutert Tomáš Sedláček.
Die Wende brachte erst das letzte Quartal, als die Nachfrage nach der Tschechischen Republik zunahm. Und dies auch im Vergleich zum letzten Monat des Jahres 2008. „Mit Aspirin unterstützt, in diesem Fall einem eher auf Schuldenbasis wirkenden Wachstumshormon in Form von Investitionsanreizen seitens der Regierungen rund um den Globus erholte sich die Weltwirtschaft von der Katerstimmung nach den wilden Jahren 2002 – 2006 und die Investoren begannen damit, ihre auf Eis gelegten Expansionspläne wieder abzustauben“, fügt Tomáš Sedláček hinzu.
„Von einer ersten Anfrage bis zur endgültigen Entscheidung, einen neuen Betrieb aufzubauen, führt jedoch ein über mehrere Monate langer Weg und eine Belebung wird erst in den Statistiken für dieses Jahr deutlich“, führt Alexandra Rudyšarová weiter aus. „Deswegen freue ich mich sehr, dass wir eine erste, sehr symbolische Schwalbe in Gestalt des Investitionsvorhabens der Gesellschaft Gemtek bekannt geben können. Diese möchte bei uns Komponenten für computerbasierte Breitbandnetze herstellen und sie wählte für ihren neuen Betrieb mit 150 neuen Arbeitsplätzen einen Standort unweit von Stříbro in der Region Pilsen – einer Region, welche die Probleme der Weltwirtschaft besonders hart trafen“.
„Ich erlaube mir die Einschätzung, dass dieses Jahr im Zeichen einer kurzen Rückkehr zu umfassenderen Investitionen stehen wird, welche die aktuell höhere Arbeitslosigkeit und die harte Konkurrenz beim Angebot von Industrieparks und Industrieimmobilien nutzen werden“, schließt Alexandra Rudyšarová.
Jahr 2009: Tätigkeitsbereiche der vermittelten Investitionsvorhaben
| Anzahl Vorhaben | Investitionshöhe (mil. CZK) | Investitionshöhe (mil. USD) | Arbeits-plätze |
Arbeitsplätze Hochschulqual. |
||
| Produktion | 35 | 12 825,83 | 667,49 | 3 305 | 60 | |
| Dienstleistungen | 67 | 665,75 | 34,69 | 1 637 | 605 | |
| Forschung und Entwicklung | 84 | 3 397,3 | 173,68 | 829 | 385 | |
| Gesamt | 186 | 16 888,91 | 875,87 | 5 769 | 1 050 |
GESAMt: Jahre 1993 bis 2009
| Von der Agentur CzechInvest in den Jahren 1993 bis 2009 vermittelte Investitionsvorhaben | |||
| Typ | Anzahl | Arbeitsplätze | Investitionshöhe (mil. CZK) |
| Produktion | 878 | 170 494 | 627 293 |
| Shared Services | 225 | 28 688 | 23 792 |
| Technologiezentren | 254 | 7 158 | 14 196 |
| Gesamt | 1 356 | 206 338 | 665 280 |
Kontakt zur CzechInvest agentur:
Lucie Kocourková, Pressesprecherin, tel: +420 296 342 538, email: lucie.kocourkova@czechinvest.org




